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Aktuelles | 20.05.2026

Halbzeit bei ÖKOPROFIT 2026

Acht Unternehmen zeigten in ihrer Zwischenbilanz, dass sich ökologische Maßnahmen oft auch wirtschaftlich auszahlen.

Ressourceneffizienz in der Praxis: Die ÖKOPROFIT-Teilnehmer*innen besichtigen Policks Backstube.

Der Duft von frischem Brot lag noch in der Luft, die Öfen waren zur späten Mittagszeit aber längst heruntergefahren. Trotzdem konnten die Teilnehmer*innen des Projekts ÖKOPROFIT sich gut vorstellen, wie quirlig es in Policks Backstube zugeht, wenn Brötchen und Kuchen für den nächsten Verkaufstag zubereitet werden. Hintergrund des Besuchs war die Halbzeit in der aktuellen ÖKOPROFIT-Runde, an der Policks und sieben weitere Bergische Betriebe teilnehmen. Zwischen Knetmaschinen, Öfen und Verpackungsstationen erklärten Tim und Svenja Polick nicht nur die Abläufe, sondern verdeutlichten auch, wo Herausforderungen und Chancen liegen, um ihren Betrieb ressourcenschonender aufzustellen. Eine Menge kreativer Maßnahmen haben die Geschwister, die das Familienunternehmen leiten, bereits identifiziert. Diese wurden nun bei einer Zwischenbilanz vorgestellt.  

Beim 6. Netzwerktreffen gab es Input zu Kreislaufwirtschaft.

Von PV bis Verpackung: Zwischenbilanz zeigt konkrete Fortschritte

ÖKOPROFIT unterstützt Unternehmen dabei, Ressourcen einzusparen, Prozesse nachhaltiger zu gestalten und gleichzeitig Betriebskosten zu senken: vom optimierten Energieeinsatz bis zu Veränderungen in Arbeitsabläufen. 

Bei Karl Dieckhoff steht die Stromversorgung im Fokus. Das Unternehmen produziert und vertreibt Textilien für den Gesundheits- und Hotelsektor. Am Wuppertaler Standort mit Verwaltung und Lager liegt der jährliche Stromverbrauch bei mehr als 155.700 Kilowattstunden. Eine große Dachfläche mit bis zu 5.500 Quadratmetern soll künftig für Photovoltaik genutzt werden. Die geplante Anlage könnte Energiekosten von rund 178.000 Euro jährlich einsparen.

Auch das Bandwirker-Bad arbeitet an energetischen Maßnahmen. Moderne Pumpentechnik soll künftig den Energieverbrauch senken. Zusätzlich sind eine Dachsanierung inklusive PV-Anlage sowie der Einsatz von Wärmepumpen geplant. Dadurch könnten rund 597.050 Kilowattstunden Energie eingespart und die Kosten um etwa 38.000 Euro reduziert werden.

Wie viel Potenzial selbst in kleinen Veränderungen steckt, zeigte Policks Backstube. Tim und Svenja Polick verfolgen das Ziel, ihre Filialen schrittweise zu „Ökofachgeschäften“ weiterzuentwickeln. Dafür hinterfragen sie viele Abläufe neu.

So setzt die Bäckerei beim Belegen von Brötchen inzwischen auf Nitril- statt PE-Handschuhe. Diese Umstellung spart jährlich rund 1.800 Kilogramm CO₂ sowie etwa 2.500 Euro. Parallel läuft eine Kundenumfrage zu alternativen Hygienekonzepten beim Brötchenschmieren ohne Einweghandschuhe. Außerdem wurden Zuckersticks und Milchportionen durch Dosen und Kännchen ersetzt, um Verpackungsmüll zu reduzieren. Geplant ist zudem ein textiler Brötchenbeutel als Alternative zur klassischen Papiertüte. Auch die Bedarfsplanung soll weiter optimiert werden, um Retouren bis 2027 weiter zu senken.

Die Beispiele aus Wuppertal zeigten, dass neben den häufig genannten Maßnahmen wie Photovoltaik, Wärmepumpen oder LED-Beleuchtung vor allem die individuellen Stellschrauben in den Betrieben entscheidend sind.

Auch die weiteren Unternehmen der Projektrunde arbeiten engagiert an konkreten Maßnahmen:

Der Handwerksbetrieb Karl Schneider aus Remscheid ist viel bei Kunden unterwegs und stellt seine Fahrzeugflotte auf Elektro inklusive Wallboxen um. RADO, Hersteller von Kautschuk-Komponenten aus Radevormwald, hat sich vorgenommen, das Verpackungsmaterial zu reduzieren. Die Sana-Klinik aus Remscheid will ihren Papierverbrauch reduzieren und mehr auf digitale Vorgänge setzen bzw. auf Recyclingpapier umstellen. Zudem sollen Mitarbeiter*innen für Ressourcenschonung sensibilisiert werden. CEMAGG, Betreiber des Einkaufszentrums Hofgarten aus Solingen, will u.a. seine Rolltreppen mit frequenzgesteuerten Motoren nachrüsten und seine Fassadenbegrünung instand setzen. Der Hersteller von Fruchtkonserven Steinhaus aus Remscheid setzt für den Transport seiner Waren angesichts hoher Spritpreise auf Fahrtrainings und Belohnungen für ressourcenschonende Fahrweisen.

Zirkeltraining mal anders: Mit der Neuen Effizienz wurde Theorie in konkrete Ansätze überführt.

Kreislaufwirtschaft im Fokus

Fachlich stand das Thema Kreislaufwirtschaft im Mittelpunkt. Gastgeber war die Neue Effizienz, Mitglied der Lenkungsgruppe von ÖKOPROFIT im Bergischen Städtedreieck.

Sebastian Härder, Manager Circular Economy, und Projektmitarbeiter Hendrik Kleinhauer führten die Teilnehmenden durch ein sogenanntes „Zirkeltraining“. Ziel des Workshops war es, ökologische und wirtschaftliche Potenziale zirkulären Wirtschaftens greifbar zu machen und individuelle Ansätze für die einzelnen Betriebe zu entwickeln.

Dabei ging es zunächst um die Grundprinzipien der Kreislaufwirtschaft: Produkte und Materialien möglichst lange im Nutzungskreislauf halten, Abfälle vermeiden und natürliche Kreisläufe stärken. Gleichzeitig wurde deutlich, dass das Thema längst nicht nur ökologisch relevant ist. Gerade in Zeiten globaler Lieferengpässe, politischer Konflikte oder steigender Rohstoffpreise gewinnt Ressourcensicherheit für Unternehmen zunehmend an Bedeutung.

Die Vorteile reichen von Kostenersparnissen durch effizienteren Ressourceneinsatz über größere Resilienz gegenüber externen Krisen bis hin zu neuen Marktchancen, Innovationsimpulsen und einer stärkeren Mitarbeiterbindung. Auch die Außenwirkung spielt eine Rolle. „Man kann Kreislaufwirtschaft gut kommunizieren“, so Härders Tipp. Nachhaltige Prozesse werden als Argument bei Kunden und Beschäftigten immer wichtiger.

Passend dazu entwickelten die Unternehmen im Workshop konkrete Ideen, die sie innerhalb einer achtwöchigen Experimentierphase testen können. Zusätzlich zu den zahlreichen Maßnahmen, die sie schon entwickelt haben.

Seit 25 Jahren erfolgreich

ÖKOPROFIT unterstützt Unternehmen dabei, Ressourcen im betrieblichen Alltag einzusparen und gleichzeitig wirtschaftliche Vorteile zu erzielen. Gemeinsam mit zertifizierten Beraterinnen und Beratern entwickeln die Betriebe individuelle Maßnahmen – von einfachen Verhaltensänderungen bis hin zu komplexen technischen Lösungen.

Ein wichtiger Bestandteil des Programms sind Workshops und die enge Vor-Ort-Begleitung. Gleichzeitig profitieren die Teilnehmenden vom Erfahrungsaustausch innerhalb des Netzwerks. Seit 25 Jahren wird das Programm erfolgreich in NRW umgesetzt. Bereits 167 Unternehmen wurden allein im Bergischen mit dem ÖKOPROFIT-Siegel ausgezeichnet.

Getragen wird ÖKOPROFIT im Bergischen Städtedreieck von den Städten Wuppertal, Solingen und Remscheid gemeinsam mit ihren Wirtschaftsförderungen, der Bergische IHK, NRW.Energy4Climate und Neue Effizienz gGmbH. Das Projekt wird im Auftrag der Projektpartner von der B.A.U.M. Consult GmbH durchgeführt.

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Bildnachweise

  • Wirtschaftsförderung Wuppertal
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