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Aktuelles | 25.09.2026

Mentale Gesundheit: Mehr Prävention, mehr Offenheit

Bei Minds ON #Health ging es um die Frage, wie Unternehmen die mentale Gesundheit ihrer Beschäftigten stärken können und warum Prävention schon bei jungen Menschen beginnt.

v.li.: Iris Bovenkamp und Ann-Kristin Langfort von HUEHOCO, Soulspace-Gründern Jana-Kortwig, Eva Platz und Marcel Schettler von der Wirtschaftsförderung Wuppertal.

Hereinkommen und wohlfühlen. So erlebten die Gäste der jüngsten Netzwerkveranstaltung Minds ON #Health den Soulspace in den Wiesenwerken. Ein heller Raum mit fröhlichen Farbakzenten und liebevoller Dekoration, fast wie ein Wohnzimmer. Genau dieses Gefühl ist beabsichtigt: Denn eine Atmosphäre, in der man sich sicher und angenommen fühlt, schafft Vertrauen.

Der Soulspace ist ein geschützter Raum für Jugendliche, die mental eine schwierige Zeit durchleben. Solche Angebote werden zunehmen wichtig, betonte Eva Platz, Vorständin der WiFö bei der Begrüßung der Gäste. „Die Gesundheitswirtschaft ist ein wichtiges Innovationsfeld in Wuppertal, das wir als Wirtschaftsförderung aktiv stärken wollen. Gleichzeitig ist Gesundheit ein Querschnittsthema, das so gut wie alle Unternehmen betrifft. Der Ausfall von Beschäftigten ist längst zu einem wirtschaftlichen Faktor geworden.“

Psychische Erkrankungen sind inzwischen die häufigste Ursache für längere Arbeitsunfähigkeit. Hohe Krankenstände, zunehmende psychische Belastungen, demografischer Wandel und der Fachkräftemangel zeigen, dass Gesundheit im Betrieb kein "nice-to-have" sondern längst ein strategischer Faktor für Zukunftsfähigkeit, Produktivität und langfristige Mitarbeiterbindung ist.

Deshalb widmete sich die Veranstaltung, organisiert durch Marcel Schettler vom Unternehmensservice, dem betrieblichen Gesundheitsmanagement. Speziell der mentalen Gesundheit.

Ein geschützter Ort für Jugendliche

Dabei muss mentale Gesundheit schon im Jugendalter mitgedacht werden. Hier fehlte es der Schulsozialarbeiterin Jana Kortwig an unkomplizierten Angeboten. Deshalb hat sie 2024 Soulspace gegründet. „Das ist ein absolutes Herzensprojekt“, sagt die Gründerin. Aus ihrer täglichen Arbeit in der Schule weiß sie, mentale Probleme haben viele Ursachen: Krankheitsfälle in der Familie, Druck in der Schule, Mobbing, Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper… Daraus entwickeln sich Ängste, Wut, Einsamkeit.

Aber wie kommen die Jugendlichen da wieder raus? Im Soulspace hört man ihnen erst einmal zu. Klingt banal, ist aber ein wichtiger erster Schritt. Dann helfen Jana Kortwig und ehrenamtliche Fachleute ihnen dabei, ihren persönlichen Weg zu finden, mit ihren jeweiligen Situationen und Gefühlen umzugehen und sich nicht darin zu verlieren. „Die Jugendlichen von heute sind einer Informationsflut ausgesetzt. Manchmal gibt es für sie gar keinen Rückzugsort mehr“, so Kortwig. In Wuppertal finden junge Leute diesen nun im Soulspace in den Wiesenwerken.

Was Schülerinnen und Schüler belastet, kann genauso gut auch Auszubildende betreffen. Soulspace kümmert sich daher um junge Menschen zwischen 15 und 15 Jahren. Jana Kortwig gab den Unternehmen folgende Tipps, wie sie mentale Gesundheit im Ausbildungsalltag mitdenken können:

  • Feste Ansprechpartner*innen für Azubis etablieren
  • Regelmäßige Check-ins zur Prävention anbieten
  • Ausbilder*innen für Warnsignale sensibilisieren
  • Ein sicheres Gefühl im Betrieb schaffen
  • Pausen einhalten und Regeneration ermöglichen
  • Externe Hilfsangebote sichtbar machen
  • Mental Health ins Onboarding integrieren

Jana Kortwig kündigte an, bis Ende des Jahres ein spezielles Angebot für Azubis entwickeln zu wollen.

Begleitung im laufenden Betrieb

Wie betriebliches Gesundheitsmanagement konkret aussehen kann, zeigte Iris Bovenkamp von der HUEHOCO Group, einem Industrieunternehmen für Metallbandbeschichtung. Die geschäftsführende Gesellschafterin hat sich intensiv mit der Pflege von Angehörigen und die Auswirkungen auf Mitarbeitende beschäftigt: „Sieben bis zehn Jahre dauert die durchschnittliche Pflegedauer von Angehörigen. Diese Zeit ist eine erhebliche mentale und körperliche Belastung für die Pflegenden.“ 33% würden in der Folge selbst erkranken. 25% würden gar ihre Arbeit aufgrund der Umstände aufgeben. „Zwei Millionen Mitarbeitende gehen den Unternehmen im Jahr durch die Pflege von Angehörigen verloren“, weiß Bovenkamp. Bei HUEHOCO wird die Gesprächsbereitschaft über solche schwierigen privaten Situationen gefördert. Präventionsmaßnahmen setzen auf Information (Vorbereitung für den Ernstfall: wo finde ich Hilfe?) und körperliche Gesundheit (z.B. Sportangebote).

Um die entsprechenden Angebote im Unternehmen zu schaffen wurde extra eine Arbeitsgruppe gegründet, deren Ergebnisse und Maßnahmen Ann-Kristin Langfort vorstellte. „Wir haben gemerkt, dass wir das Thema Gesundheit größer denken müssen.“ Und zwar auf drei Ebenen: körperlich, psychisch und nach Lebenssituation. Denn Azubis haben andere Bedürfnisse und Herausforderungen als eine junge Mutter oder der Mitarbeiter, der kurz vorm Beginn der Rente steht. „Wie wollen Angebote entlang aller Lebensphasen schaffen“, so Langfort. In der Belegschaft wurden Pflege-Coaches etabliert und mentale Ersthelfer*innen geschult. „Sie ersetzen keine Therapie und geben keine fachliche Diagnose, sondern bieten Orientierung, berichtet Langfort“. Zum Beispiel können sie an entsprechende Anlaufstellen verweisen. Die HUEHOCO Group hat sich zur Zusammenarbeit mit einem externen Dienstleister, dem Viva Familienservice, entschieden.  

Der erste Schritt bleibt aber immer ein Gespräch. Egal in welchem Alter. Hier wirbt Iris Bovenlamp für mehr Offenheit von allen Seiten: „An dieses Tabu von Schwäche müssen wir unbedingt ran.“

Erläuterungen und Hinweise

Bildnachweise

  • Wirtschaftsförderung Wuppertal
  • Wirtschaftsförderung Wuppertal
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