Die technischen Möglichkeiten zur Nutzung von Solarstrom entwickeln sich immer weiter. Daher befanden sich unter den gut 40 Teilnehmenden der neuesten Ausgabe der Event-Reihe „PV auf Gewerbeflächen“ nicht nur Neueinsteiger*innen, sondern auch einige Unternehmensvertreter*innen, die bereits PV auf ihrem Betrieb installiert haben. Auch sie nutzten die Gelegenheit, um sich über die neuesten Entwicklungen auf dem Laufenden zu halten.
Wachsende Leistung, sinkende Kosten
Insgesamt sei die Technik in den letzten Jahren deutlich langlebiger und robuster geworden, so die Einschätzung von Carl-Georg Graf von Buquoy, der für NRW.Energy4Climate (Öffnet in einem neuen Tab) sprach. „PV-Module haben eine extrem lange Lebenszeit. Teilweise bekommen Sie darauf Garantiezeiten von bis zu 30 Jahren. Bei welcher anderen Technik gibt es das schon?“ Auch bei den Wechselrichtern gebe es wesentliche Verbesserungen bei der Lebensdauer. Diese beträgt mittlerweile 15 bis 20 Jahre.
Der Ausblick auf eine lange Einsatzzeit macht die Investitionskosten in eine PV-Anlage natürlich deutlich attraktiver. Dank Förderung sind die Kosten in den letzten Jahren deutlich gesunken. „Hier hat die Förderung ihren Sinn erfüllt“, so Graf von Buquoy. Rund 900 Euro Installationskosten pro kWp zahlte man durchschnittlich im letzten Jahr bei einer soliden 100kWp-Anlage.
Bei größeren Anlagen, etwa für Produktionsbetriebe, empfiehlt Graf von Buquoy in ein gutes Energie Management System zu investieren. „Das EMS ist der Kopf des Ganzen“. Das intelligente System analysiert den Energiefluss im Unternehmen und regelt entsprechend, wann der gewonnene Strom wo eingesetzt wird.
Neuerungen ab 2027
Zuletzt gab es noch einen Ausblick auf die voraussichtlichen Neuerungen, die bei der Einspeisevergütung ab 2027 gelten sollen. Das Bundeswirtschaftsministerium plant im Rahmen einer EEG-Reform, die feste Einspeisevergütung für neue PV-Anlagen schrittweise abzuschaffen. 2027 in Betrieb genommene Anlagen unter 50 kW Leistung sollen eine Übergangszahlung für höchstens 36 Monate erhalten. Diese soll zunächst 5,20 Cent pro Kilowattstunde betragen. PV-Anlagen, die schon vor 2027 betrieben wurde, sollen ihren bisherigen Vergütungsanspruch behalten dürfen. Geplant sind zudem eine Begrenzung der Einspeiseleistung auf 50 Prozent und eine Smart-Meter-Pflicht für Anlagen mit mehr als 2 kW.
Batteriespeicher für eine effiziente Versorgung
Ist der Strom einmal produziert, ist es sinnvoll ihn selbst zu nutzen. Entweder sofort oder – dank Speicherlösungen – später. Sarah Altenrath von der WSW Energie & Wasser AG (Öffnet in einem neuen Tab) stellte das Potenzial von Batteriespeichern vor. Angesichts der Preisentwicklungen wächst die Nachfrage, da die Speicher mehr Sicherheit und Planbarkeit versprechen.
Ein vorteilhaftes Verfahren ist das sogenannte Hedging: Der Speicher lädt sich auf, wenn die Preiskurve gerade niedrig ist und entlädt sich, wenn die Kosten wieder auf einem hohen Stand sind. Günstig beziehen, teuer verkaufen – ein verlockendes Modell. Voraussetzung ist die Nutzung eines dynamischen Stromtarifs und Zugriff auf die Börsenpreise. Dafür ist ein intelligentes EMS mit Prognose- und Steuerungsfunktion nötig.
Die Anschaffung eines Batteriespeichers kann sich für gewerbliche Unternehmen durchaus lohnen, rechnet die Expertin vor. Bei Kauf und Installation eines Batteriespeichers (mit 250 kWh / 125kW), Wechselrichter und EMS belaufen sich die Kosten auf einmalig etwa 230.000 Euro. Hinzu kommen jährliche Wartungs-, Betriebs- und Versicherungskosten von ca. 8000 Euro. Demgegenüber stehen erwartbare Einsparungen und Erlöse von ca. 50.000 Euro im Jahr. Das macht nach sechsjähriger Amortisationszeit ein wirtschaftliches Plus von 42.000 Euro pro Jahr.
Wer überlegt, einen Batteriespeicher anzuschaffen, steht vor der Frage, wo dieser denn stehen soll. Sarah Altenrath rät: „Fragen Sie zuerst einmal bei Ihrer Gebäudeversicherung nach. Viele haben eine Checkliste, was bei der Lage beachtet werden muss.“ Unter anderem: Ist ein Fundament vorhanden? Kann man problemlos heranfahren, z.B. mit einem Gabelstapler? „Auch eine Abstimmung mit der Feuerwehr schadet nie“, so Altenrath.
W-tec plant neue PV-Anlagen
Die Zahl der PV-Anlagen auf Gewerbeflächen in Wuppertal wächst. Auch dank der Aktivitäten im Wuppertaler Technologiezentrum W-tec (Öffnet in einem neuen Tab). Das W-tec unterhält sechs Gebäude mit rund 290 Unternehmen als Mietern. Entsprechend hoch ist der Stromverbrauch. Am Standort in der Heinz-Fangmann-Straße ist bereits ein Dach mit Solar-Modulen ausgestattet worden. Zwei weitere Dächer in der Lise-Meitner-Straße werden dieses und kommendes Jahr folgen, berichtete Geschäftsführer Dr. Martin Hebler. „Bei der Planung haben sich ganz viele Fragen ergeben. Aber zum Glück haben wir ein Start-up, das uns dabei geholfen hat, die richtigen Antworten zu finden“.
Startup berechnet effizienteste Versorgungslösungen
Das junge Unternehmen Volterica (Öffnet in einem neuen Tab) hat eine cloudbasierte Plattform entwickelt, mit der komplexe Energiesysteme in Unternehmen simuliert und geplant werden können. Mithilfe von Datenanalysen und KI-gestützten Szenarien lassen sich Investitionen in Photovoltaik, Batteriespeicher, Wärmepumpen oder andere Energieinfrastrukturen detailliert abbilden. Auf dieser Basis können fundierte Entscheidungen getroffen werden. Mit-Gründer Jan-Eric Wörheide stellte die Software live vor. „Wir können sämtliche Szenarien innerhalb von Minuten durchspielen und die wirtschaftlichsten Kombinationen durchrechnen“, so Wörheide. Das Programm spielt die „was wäre, wenn…“-Szenarien für sämtliche komplexe Anwendungsfälle durch. So hat Volterica auch schon für Biogasanlagen und Stahlwerke die effizientesten Energieversorgungslösungen berechnet. Der Vorteil, den auch das W-tec davon hatte: Die Planungen basieren auf verlässlichen Daten statt auf dem eigenen Bauchgefühl.
Im Anschluss an die Vorträge der Expert*innen gab es noch regen Redebedarf. Auch untereinander tauschten sich die Teilnehmer*innen über ihre bisherigen PV-Erfahrungen aus. Bei diesem weiterhin starken Interesse der Wuppertaler Unternehmen an Solarstrom wird es sicher nicht die letzte Veranstaltung gewesen sein zu der die Partner Bergische IHK (Öffnet in einem neuen Tab), NRW.Energy4Climate (Öffnet in einem neuen Tab), Stadt Wuppertal (Öffnet in einem neuen Tab) und Wirtschaftsförderung gemeinsam einladen.
Auch über die Veranstaltung hinaus stehen die Partner gerne bei Fragen rund um eine nachhaltige und effiziente Energieversorgung für lokale Unternehmen bereit.



