Schon kurz nach der Eröffnung herrschte in der Alten Glaserei an der Nordbahntrasse reger Betrieb. Zwischen Messeständen, Stehtischen und Roll-ups entstanden Gespräche über Karrierewege, Ausbildungsplätze, Quereinstiege und neue berufliche Perspektiven. Genau darum geht es bei der Job-Initiative Wuppertal: Menschen und Unternehmen unkompliziert miteinander ins Gespräch zu bringen.
Über 30 Arbeitgeber*innen aus Wuppertal und dem Bergischen nutzten die Messe, um sich Fachkräften, Studierenden, Schüler*innen sowie Quer- und Wiedereinsteiger*innen vorzustellen. Organisiert wird die Job-Initiative gemeinsam von der Wirtschaftsförderung Wuppertal, der Agentur für Arbeit Solingen-Wuppertal und dem Jobcenter Wuppertal als Beitrag zur Fachkräftesicherung in der Region.
Unternehmen werben um Talente
Die Nachfrage auf der Job-Initiative reichte von IT über Lager bis Produktion, berichtete Manuela Juland, Personalerin von Schmersal (Öffnet in einem neuen Tab). Und der Hersteller für Sicherheitstechnik hatte in vielen dieser Bereiche konkrete Stellenangebote. Gesucht werden aktuell unter anderem Werkzeugmechaniker (m/w/d) und Softwareentwickler (m/w/d). Spannende Jobs mit guter Perspektive. Aber trotzdem müssen Unternehmen sich anstrengen, um diese zu besetzen: „Die Kandidat*innen bewerben sich nicht nur bei uns, sondern wir auch bei den Kandidat*innen“, so Juland. „Als Unternehmen bieten wir nicht nur einen Job, sondern das ganze Arbeitsumfeld drum herum“, so Juland. Entsprechend wichtig seien Veranstaltungen wie die Job-Initiative, um ins persönliche Gespräch zu kommen und sich als Arbeitgeber authentisch zu präsentieren.
Ähnliche Erfahrungen machte auch das Troxler-Haus (Öffnet in einem neuen Tab). Die sozialtherapeutischen Werkstätten waren in diesem Jahr erstmals als Aussteller dabei. Geschäftsführerin Cornelia Weskamp war positiv überrascht: „Wir haben einen enormen Zulauf“. Weskamp konnte während der Veranstaltung mehrere Bewerbungen entgegennehmen. Was sich daraus entwickelt, wird man in den kommenden Wochen sehen. Aber für das Troxler-Haus war die Veranstaltung eine Gelegenheit, um als Arbeitgeber auf sich aufmerksam zu machen. Viele Besucher*innen kennen die vielen Troxler-Einrichtungen wie Werkstätten, Café und Wohnheime, nehmen aber oft gar nicht wahr, dass dahinter ein großer Betrieb mit mehr als 400 Beschäftigten steckt.
Cornelia Weskamp und ihr Team zeigten auf der Job-Initiative die beruflichen Möglichkeiten in Pflege oder Handwerk auf. Worauf es ihr bei Bewerber*innen besonders ankommt? Empathie. Fachliche Abläufe lassen sich erlernen, aber: „Das Menschliche kann man nicht beibringen“, sagt Weskamp. Und das ist bei Troxler das A und O.
Persönlichkeit zählt mehr als der perfekte Lebenslauf
Überhaupt spielte bei vielen Gesprächen weniger der perfekte Lebenslauf eine Rolle als Motivation, Persönlichkeit und echtes Interesse.
„Die Motivation ist ganz entscheidend. Ich gucke gar nicht so sehr auf die Schulnoten“, erzählt Marco Hausmann, Ausbildungsleiter bei Gebrüder Becker (Öffnet in einem neuen Tab). Der Wuppertaler Hersteller von Vakuumpumpen und -systemen sucht Verstärkung im industriellen und gewerblich-technischen Bereich. Aus erfreulichem Grund: Das Unternehmen möchte weiterwachsen. Die gute Auftragslage ist dafür die Basis. Gebrüder Becker setzt bei der Personalentwicklung auf Langfristigkeit. Über Ausbildungsplätze und duale Studiengänge zieht das Unternehmen seine Fachkräfte für morgen heran.
Hausmann weiß aus eigener Erfahrung, welche Chancen darin liegen. Er selbst begann einst mit einer Ausbildung im Unternehmen und ist heute Ausbildungsleiter. Weiterbildung und Persönlichkeitsentwicklung haben einen hohen Stellenwert im Betrieb. Dabei geht es darum, individuelle Potenziale zu erkennen und zu fördern. Mit einem Schmunzeln fragt er: „Welcher Maschinenbauer bietet sonst Achtsamkeitstrainings für seine Mitarbeitenden an?“
Auch bei den Landschaftsgärtnern von Leonhards (Öffnet in einem neuen Tab) gehören persönliche Gespräche zum wichtigsten Teil der Personalsuche. „Von der Besucherfrequenz ist die Job-Initiative eine der besten Messen, die wir im Jahr besuchen“, berichtet Personalleiterin Linda Buro. Besonders schätzt sie die Vielfalt der Menschen, die vorbeikommen: „Vom ungelernten Quereinsteiger bis zum Uni-Absolventen ist alles dabei.“
Und oft bleiben die Gespräche nicht folgenlos: Aus den Kontakten, die sich auf der Messe ergeben, stellt Leonhards regelmäßig ein bis drei neue Arbeitskräfte ein. In diesem Jahr hat der Nachwuchs noch gute Chancen. Aktuell sind noch sechs Ausbildungsplätze frei. Für Bewerber*innen hat Buro auch ein paar Tipps.
Was bei Bewerbungen positiv auffällt? Für Buro sind es vor allem persönliche Bezüge. Wer konkret auf das Unternehmen, Projekte oder die ausgeschriebene Stelle eingeht, zeige echtes Interesse. KI-generierte Anschreiben erkenne sie dagegen meist sofort: „Sie sind oft oberflächlich und unpersönlich.“ Wer seinen Bewerbungsunterlagen noch den letzten Schliff verpassen wollte, wurde vor Ort von den Expert*innen der Agentur für Arbeit und dem Jobcenter unterstützt.
Der Pflegebereich hat generell einen hohen Personalbedarf. Die DRK Schwesternschaft (Öffnet in einem neuen Tab) aber kam mit einem ganz aktuellen Anlass zur Job-Initiative. Zum 1. Juli eröffnet sie mit dem „Haus Nova“ eine neue Einrichtung für akute Kurzzeitpflege mit über 60 Plätzen, z.B. für Menschen nach einem Krankenhausaufenthalt. Damit soll eine wichtige Versorgungslücke geschlossen werden. Gesucht werden dafür Pflegefachkräfte ebenso wie Mitarbeitende für die Verwaltung.
Ausbildungsleiterin Melina Dratzidis betont dabei bewusst die Offenheit für Bewerbungen: „Nur weil man die beruflichen Qualifikationen nicht hat, heißt das nicht, dass man sie nicht erlangen kann.“ Die DRK Schwesternschaft bietet entsprechende Ausbildungsstellen an. Über das Freiwillige Soziale Jahr können Interessierte zunächst in den Beruf reinschnuppern. Das Haus Nova sei sehr modern und digital ausgestattet, berichtet Dratzidis. Das erleichtere den körperlich oft anstrengende Job in der Pflege enorm.
Unternehmen zeigen Vielfalt und Engagement
Die Job-Initiative Wuppertal hat erneut gezeigt, wie vielfältig die beruflichen Möglichkeiten in der Stadt sind. Und wie engagiert viele Unternehmen daran arbeiten, Menschen Entwicklungschancen zu eröffnen. Gerade der direkte Austausch machte deutlich, dass hinter vielen Stellenangeboten mehr steckt als nur eine freie Position: sympathische Unternehmenskulturen, Aufstiegsmöglichkeiten und Arbeitgeber, die nicht nur auf Lebensläufe, sondern vor allem auf Menschen schauen.



