Im Kino können Menschen in andere Welten eintauchen. Bei Minds ON, einer Veranstaltungsreihe der Wirtschaftsförderung Wuppertal, ging es am Donnerstagabend im CinemaxX um eine Welt, die sich derzeit rasant verändert: eine Arbeitswelt, in der KI zunehmend mitarbeitet. KI kann Arbeit erleichtern. Sie kann Routineaufgaben übernehmen, Prozesse beschleunigen und Menschen von zeitaufwendigen Tätigkeiten entlasten. Doch genau darin liegt auch eine Herausforderung: KI darf nicht dazu führen, dass Menschen das eigene Denken an die Maschine delegieren. Diese Botschaft stand im Mittelpunkt des Abends mit KI-Expertin Laura Lewandowski.
Viele Gäste aus der lokalen Wirtschaft und Umgebung waren dabei. Darunter Vertreter*innen von Bayer, STAHLWILLE oder Leister Technologies Deutschland. Mit Laura Lewandowski hatte die Wirtschaftsförderung eine prominente Stimme zu Künstlicher Intelligenz, Leadership und Future Skills im DACH-Raum nach Wuppertal geholt. Die Unternehmerin und Gründerin von „smart chiefs“ erreicht mit ihrem Newsletter und ihren Social-Media-Kanälen eine große Business-Community mit über 80.000 Newsletter-Abonnent*inne und über 70.000 LinkedIn-Followern. Mit bewusstem Fokus auf den Mittelstand verbindet sie KI-Themen mit konkreten Fragen aus Unternehmenspraxis und Führung.
Oberbürgermeisterin Miriam Scherff und Eva Platz, Vorständin der Wirtschaftsförderung Wuppertal, begrüßten Lewandowski auf der Bühne. Hinsichtlich der großen Herausforderungen, die der Einzug von KI in die Arbeitswelt mit sich bringt, sagte Scherff: „Wuppertal ist ein Standort, der mit Veränderungen umgehen kann. Das haben unsere Unternehmen in vielen Transformationsprozessen bewiesen. Jetzt geht es darum, diese Erfahrung auch auf den Umgang mit Künstlicher Intelligenz zu übertragen. Dass wir uns heute in diesem großen Rahmen treffen, zeigt: Wuppertal gestaltet dieses wichtige Zukunftsthema mit.“
Für die Wirtschaftsförderung ist es wichtig, dabei praktischen Mehrwert für die Unternehmen zu schaffen, betonte Eva Platz: „Wir wollen die großen Zukunftsthemen nicht nur diskutieren, sondern aktiv nach Wuppertal holen. Laura Lewandowski verbindet die großen Veränderungen durch KI mit den konkreten Fragen von Führung und Unternehmenspraxis. Wir bringen unsere Unternehmen mit ihr ins direkte Gespräch.“
Nicht die KI muss gefälliger werden – wir müssen besser denken
In ihrer Keynote „Beyond Prompting – die neue Führungsintelligenz“ gab Lewandowski dem Publikum „6 Gebote für mehr Souveränität im KI-Zeitalter“ mit auf den Weg. Dahinter steht eine klare Botschaft: KI darf nicht dazu führen, dass Menschen das eigene Denken an die Maschine delegieren. „KI soll uns nicht bloß helfen, alles noch schneller abzuarbeiten. Sie soll vielmehr unsere Fähigkeiten hebeln und uns daran erinnern, dass echte Verbundenheit etwas zutiefst Menschliches ist, das keine KI herstellen kann“, so Lewandowski.
Mit „Wähle die Schärfe, nicht die Bequemlichkeit“ und „Sei der Anwalt des Warum“ forderte Lewandowski dazu auf, nicht einfach die Möglichkeiten einer Technologie auszuschöpfen, sondern kritisch zu hinterfragen, welchen Zweck der Einsatz von KI erfüllt.
„KI verhält sich wie der Gesang der Sirenen: Sie verführt uns, ihr alles zu überlassen. Vor allem Dinge, die aus unserem Innersten stammen sollten“, weiß die Expertin. „Je intensiver ich sie nutze, desto wichtiger ist mir ein Grundsatz: Ich will durch KI nicht verdummen. Menschen folgen meinen Ideen wegen meines eigenen Denkens. Und damit das unverwechselbar bleibt, greife ich bewusst zu Stift und Papier.“
Ihr letztes Gebot brachte diesen Gedanken auf den Punkt: „Bleibe der Urheber deines Geistes.“ Denn bei aller Leistungsfähigkeit von KI bleibe die Fähigkeit des Menschen, eigenständig zu denken, zu bewerten, Verantwortung zu übernehmen und souveräne Entscheidungen zu treffen entscheidend.
Nach ihrem Vortrag nahm sich Lewandowski Zeit für Fragen aus dem Publikum. Den Austausch moderierte Sascha Poddey, Geschäftsführer der Wuppertaler Künstleragentur music4friends entertainment GmbH.
Wuppertal bei KI Biennale dabei
„Es war ein inspirierender Impuls“, sagte René Kinle, CFO von Gebrüder Jaeger. Christoph Rickerl, Geschäftsführer von Barthels-Beldhoff, ergänzte: „Der Vortrag hat viele Denkanstöße geliefert.“
Die Veranstaltungsreihe Minds ON setzt bewusst auf Wissensimpulse und Erfahrungsaustausch zu Zukunftsthemen. Sie bringt Unternehmer*innen, Gründer*innen und Wissenschaftler*innen zusammen, um praktische Lösungsansätze für konkrete Fragestellungen aufzuzeigen. Dabei war die aktuelle Ausgabe mit Laura Lewandowski eine besondere.
Das Event fand unter dem Dach der KI Biennale 2026 statt. Wuppertal ist in diesem Jahr erstmals als Partnerstadt der Veranstaltungsreihe des Digital Campus Zollverein dabei. Unter dem Schwerpunkt „KI & Arbeitswelt“ setzt Wuppertal nicht nur inhaltliche Impulse, sondern erweitert den geografischen Aktionsradius.
„Mit Wuppertal erweitern wir die KI Biennale um eine Stadt mit einem starken industriellen Mittelstand und vielfältigen Kompetenzen in digitalen Technologien. Für uns ist die Partnerschaft eine Chance, den Austausch über das Ruhrgebiet hinaus zu öffnen“, sagt Christian Kleinhans, geschäftsführender Vorstand des Digital Campus Zollverein.
Die KI Biennale bringt Unternehmen, Hochschulen, Kommunen und weitere Akteure zusammen und macht sichtbar, wie Künstliche Intelligenz in Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Gesellschaft eingesetzt und gestaltet wird. Mit der Veranstaltung im CinemaxX wurde dieser Austausch nun auch in Wuppertal auf die große Bühne gebracht.
„Die Partnerschaft mit der KI Biennale gibt Wuppertal die Möglichkeit, unsere Kompetenzen und Aktivitäten rund um Künstliche Intelligenz und digitale Technologien über die Stadtgrenzen hinaus sichtbarer zu machen“, so Oberbürgermeisterin Scherff. Eva Platz ergänzte: “Gleichzeitig vertiefen wir unsere Verbindungen zu Akteuren aus Wirtschaft und Wissenschaft in Nordrhein-Westfalen und profitieren von geteiltem Wissen. Genau diese Vernetzung brauchen wir, wenn wir die Veränderungen der Arbeitswelt durch KI gemeinsam gestalten wollen.“



