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Aktuelles | 04.05.2026

Wenn heiße Luft Innovation schafft

Beim 8. Wuppertaler Textilstammtisch ging es fachlich um Innovationspotenziale und internationales Recruiting.

Innovationen und internationales Recruiting: Die Themen beim 8. Wuppertaler Stammtisch für Technische Textilien bei Leister Technologies Deutschland.

Die internationale Fachmesse Techtextil hat es erst kürzlich eindrucksvoll gezeigt: Die Wuppertaler Textilindustrie ist innovationsstark, hochspezialisiert und international wettbewerbsfähig. Elf Unternehmen aus der Stadt präsentierten dort ihre Lösungen einem globalen Fachpublikum. Nur wenige Tage später kam die Branche erneut zusammen – dieses Mal vor Ort in Wuppertal.

Mit dem 8. Textilstammtisch bietet die Wirtschaftsförderung Wuppertal eine Plattform an, die fachlichen Input, praktischen Austausch und gezieltes Netzwerken miteinander verbindet. Rund 40 Vertreterinnen und Vertreter aus etwa 20 Unternehmen kamen in der Deutschlandzentrale von Leister Technologies zusammen.

Gemeinsam begrüßten Eva Platz, Vorständin der Wirtschaftsförderung Wuppertal, und Andreas Cellar, Geschäftsführer von Leister Technologies Deutschland (Öffnet in einem neuen Tab), die Teilnehmenden.

Andreas Cellar, Geschäftsführer von Leister Technologies Deutschland zeigte, dass der Einsatzbereich von Heißluft erstaunlich groß ist.

Ein Gastgeber, der für heiße Luft begeistert

Seit vier Jahren ist Leister mit einem Logistik- und Servicecenter sowie den Bereichen Management, Marketing und Vertrieb in Wuppertal vertreten. Rund 50 Beschäftigte steuern von hier aus das Europageschäft. Cellar machte deutlich, wie zufrieden das Unternehmen mit der Standortentscheidung ist: „Leister hat mit dem Umzug nach Wuppertal alles richtig gemacht.“

Inhaltlich bot der Gastgeber zugleich spannende Einblicke in seine Technologien. Leister entwickelt Geräte für Heißluft-, Infrarot- und Lasertechnologie – mit einem Schwerpunkt auf Anwendungen rund um „heiße Luft“. Diese kommt in unterschiedlichsten industriellen Prozessen zum Einsatz: vom Verschweißen technischer Textilien über die Produktion von Getränkekartons bis hin zu Anwendungen in der Automobilindustrie oder sogar beim Kaffeerösten.

Lars Rippstein stellte den industrieverband ITRS vor und zeigte, wo derzeit Innovationspotenzial in der Textilbranche liegt.

Innovation als Erfolgsfaktor

Ein zentrales Thema des Abends war die Innovationskraft der Textilindustrie. Bereits auf der Techtextil wurde deutlich, dass Wuppertaler Unternehmen konsequent auf Spezialisierung, Entwicklung und kundenspezifische Lösungen setzen statt auf Massenproduktion.

Diese Entwicklung griff auch Lars Rippstein, Geschäftsführer des Industrieverbands Technische Textilien-Rolladen-Sonnenschutz (Öffnet in einem neuen Tab) (ITRS), in seinem Beitrag auf. 

Er zeichnete das Bild einer Branche, die sich längst neu erfunden hat. Technische Textilien finden sich heute in Architektur, Mobilität und Industrieprozessen. Besonders dynamisch entwickeln sich derzeit Anwendungsfelder wie das textile Bauen – etwa für temporäre Strukturen wie Festzelte oder Stadiondächer. Der ITRS hat rund 160 Mitgliedsunternehmen und unterstützt diese durch Wissenstransfer, Interessenvertretung oder rechtlichen Fragestellungen.

Gleichzeitig machte Rippstein deutlich, wie herausfordernd die Nachwuchssituation ist. Einige Berufsbilder sind selten geworden, Ausbildungszahlen rückläufig. Bundesweit existieren aktuell nur noch rund 100 Ausbildungsstellen im Bereich Technische Konfektion. Und doch entstehen neue Wege: So hat der Verband selbst einen Ausbildungsberuf als IHK-Fachkraft für Zeltmontage mitentwickelt

Die Textilbranche ist in besonderem Maße auf spezialisierte Qualifikationen angewiesen – etwa Maschinen- und Anlagenführer*innen für Textiltechnik oder Textilgestalter*innen. Viele Unternehmen stehen dabei vor ähnlichen Fragen: Wie erreichen wir die richtigen Zielgruppen? Wie besetzen wir spezialisierte Stellen? Und welche Rolle kann internationales Recruiting spielen?

Internationales Recruiting: Unternehmen und Azubis teilten ihre Erfahrungen.

Internationale Fachkräfte: Erfahrungen aus der Praxis

Wie internationales Recruiting gelingen kann, zeigten mehrere Praxisbeispiele aus Wuppertal:

Patrick Kielholz (COO bei JUMBO-Textil (Öffnet in einem neuen Tab) / CEO bei vombaur (Öffnet in einem neuen Tab)) berichtete von gezielten Aktivitäten im arabischen Raum. Dort existiere eine starke textile Tradition, die den Einstieg erleichtere. Sein Fazit: „Es zieht Fachkräfte nach Wuppertal, wenn wir nur sichtbarer werden.“

Auch Gebrüder Jaeger (Öffnet in einem neuen Tab) geht international auf Suche. Über eine Sprachschule konnten innerhalb von nur vier Monaten zwei Auszubildende aus Tunesien gewonnen werden.

Ein zentraler Erfolgsfaktor wurde dabei mehrfach betont: der Austausch untereinander. Viele Unternehmen profitieren direkt von den Erfahrungen anderer und können so schneller eigene Lösungen entwickeln.

Eine, die ihr Wissen gerne weitergibt, ist Romy Klein von CHRISTIAN KLEIN | FINE DENTISTRY (Öffnet in einem neuen Tab). Die Zahnarztpraxis ist kein klassischer Industriebetrieb mit großer HR-Abteilung. Und gerade deshalb war ihr positiver Erfahrungsbericht inspirierend. „Es war learning by doing“, beschreibt sie ihren Weg, der mit einer internationalen Stellenausschreibung über die Agentur für Arbeit begann.

Im Bewerbungsprozess über Videokonferenz wird sie kreativ: Wenn praktische Fähigkeiten über den Bildschirm schwer einzuschätzen sind, sucht sie nach anderen Anhaltspunkten. So wurde etwa das Spielen eines Instruments zum Indikator für Feinmotorik – ein pragmatischer Ansatz, der im Alltag funktioniert.

Esther Königes und ihr Team von WorkStadt unterstützen beim Onboarding.

Ankommen ermöglichen: Onboarding als Schlüssel

Internationale Fachkräfte zu gewinnen, ist nur der erste Schritt. Entscheidend ist, dass sie langfristig bleiben.
Hier setzt die WorkStadt GmbH (Öffnet in einem neuen Tab) an. Geschäftsführerin Esther Königes begleitet mit ihrem Team sowohl Unternehmen als auch Fachkräfte im Onboarding-Prozess. Neben der Integration im Betrieb geht es dabei auch um das Ankommen im Alltag – vom sozialen Umfeld bis zur kulturellen Orientierung.

Denn: Wer sich am neuen Wohn- und Arbeitsort wohlfühlt, bleibt.

Besonders eindrücklich wurde der Abend, als nicht nur über internationale Fachkräfte gesprochen wurde, sondern mit ihnen.
Esther Königes brachte zwei Auszubildende mit, die von ihren eigenen Erfahrungen berichteten. Ihre Geschichten gaben dem Thema eine neue Tiefe.

Ilya Boychenko kam aus Russland nach Wuppertal. Seine ersten Schritte führten ihn zunächst zu WorkStadt, bevor er eine Ausbildungsstelle bei Knipex fand. Seine Empfehlung an die Arbeitgeber: Bereits im Bewerbungsgespräch kann es hilfreich sein, Mitarbeitende mit internationalem Hintergrund oder Auslandserfahrung einzubinden, um Perspektiven besser zu verstehen und Vertrauen aufzubauen. 

Auch Shahrzad Tahaee, die vor zwei Jahren aus dem Iran nach Wuppertal kam, schilderte offen ihren Alltag. In ihrer Ausbildung bei FINE DENTISTRY arbeitet sie eng mit einem weiteren Azubi aus Indien zusammen. Zwei unterschiedliche Herkunftsländer, zwei kulturelle Hintergründe – und nicht immer eine gemeinsame Sprache.

Dass Kommunikation dabei zur Herausforderung wird, gehört dazu. Für Esther Königes ist das ein Punkt, an dem Unternehmen ansetzen können: mit Offenheit, Geduld und einem spielerischen Umgang mit Sprache. Digitale Tools und KI können hier ganz praktisch unterstützen.

Gemeinsam lernen – statt allein starten

Ein zentrales Fazit des Abends brachte Esther Königes auf den Punkt: „Keiner muss wieder alleine von vorne anfangen.“

Die Herausforderungen im internationalen Recruiting sind komplex – von rechtlichen Fragen bis hin zu kulturellen Aspekten. Umso wichtiger ist es, vorhandenes Wissen zu teilen und voneinander zu lernen.

Genau hier setzt die Wirtschaftsförderung Wuppertal gemeinsam mit WorkStadt an:
Mit einer monatlichen Sprechstunde zum internationalen Recruiting wird Unternehmen eine niedrigschwellige Möglichkeit geboten, sich zu informieren, Fragen zu klären und erste Schritte zu planen.

Nächste Termine:

  • 27. Mai
  • 24. Juni

Anmeldung per Mail an Marcel Schettler: schettlerwf-wuppertalde

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